Peter von AiRAES im Interview

Peter Brummer von AiRAES berichtet uns im Gespräch, wie er Künstlicher Intelligenz das Hören beibringt, warum er in Nürtingen gegründet hat und welche Herausforderungen ihm mit seinem Unternehmen begegnen.

Peter von AiRAES im Interview

Lieber Peter, wie würdest du die Idee deines Unternehmens kurz und knapp erklären?

Der Name AiRAES steht für Artificial Intelligence, Robotics And Educational Support. AiRAES ist es ein besonderes Anliegen, den Kunden Produkte und Leistungen anzubieten, die diesen nützlich sind und ihnen helfen sich zu entfalten. AiRAES entwickelt hierfür Systeme, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren. Neben der allgemeinen Nutzung steht auch die persönliche Entwicklung in einem Lernumfeld im Fokus.

Mit unserem neuen Projekt „AiRAES-EAR“ bringen wir der Künstlichen Intelligenz (KI) das Hören bei. AiRAES-EAR ist ein KI basiertes System zum Erkennen von akustischen Mustern. Es geht darum, teilweise die Funktionalität des Kortex eines menschlichen Gehirns nachzuahmen und Klangmuster inhaltlich zu verstehen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Die Trigger waren die Mängel der bestehenden Klangerkennungssysteme. Wir evaluierten verschiedene Apps, die unter Nutzung von Klangerkennungs-Systemen das Erlernen des Klavierspiels unterstützen sollen. Wir wollten Apps entwickeln, die besser „hören“, als jene die schon am Markt sind. Während unserer Forschung, wie das Hören für solche Apps verbessert werden könnte, erkannten wir, dass ein entwickeltes Klangerkennungssystem ein weitaus größeres Potential haben wird und uns erlauben wird mit dieser Basis-Technologie in vielen anderen und neuen Bereichen außerhalb der Erkennung von Klavierklang vorzudringen.

Wie kann diese Entwicklung eingesetzt werden?

Da die Technologie mit nur wenig Trainingsdaten auskommt, kommen ganz neue Einsatzbereiche in den Fokus. Bevor ein Fräskopf kaputt geht, verändert sich beispielsweise zuvor das Klangmuster des Fräsvorgangs. Diese frühzeitige Erkennung schützt den Fräskopf und das in Bearbeitung befindliche Werkstück vor Beschädigungen. Bei einem solchen Anwendungsfall stehen nur eine begrenzte Menge an Tests und Trainingsbeispielen zur Verfügung. Darüber hinaus sehen wir, dass die AiRAES-EAR-Basis-Technologie auch in weiteren Bereichen der Fertigung und in medizinischen Bereichen eingesetzt werden kann.

Denkbar ist der Einsatz bei der Tierhaltung in der Landwirtschaft und zur Unterstützung von Hörbehinderten. Die Einsatzgebiete sind im Grunde überall dort, wo akustische Muster wertvolle Information tragen und daher von Bedeutung sind – selbst wenn uns dies im Einzelnen nicht bewusst ist.

In welchem Stadium steht Euer Vorhaben?

Aktuell befinden wir uns in der zweiten Prototypphase. In der ersten Phase haben wir noch auf eine konventionelle KI gesetzt und haben deren Limitationen erfahren. In der zweiten Prototypphase setzen wir die nächste Generation von neuronalen Netzen ein, sogenannte “Spiking Neural Networks”, welche in ihrer Arbeitsweise der des menschlichen Gehirns sehr viel ähnlicher sind. Zudem haben diese einen deutlich geringeren Energieverbrauch und dadurch eine deutlich höhere Effizienz. Diese Spiking Neural Networks erlauben Netzwerkarchitekturen, die einen erheblich kleineren Umfang von Trainingsdaten benötigen, im Vergleich zu den Architekturen, die auf den State-Of-The-Art Deep-Neural Networks basieren. Damit wird sowohl die Bereitstellung der Trainingsdaten als auch das Training des neuronalen Netzwerks deutlich günstiger.

Das heißt, wir sind gerade dabei mit den Spiking Neural Networks Prototypen zu bauen. Unser Projekt ist leider in Verzug, da erst im April diesen Jahres unser Team soweit stand, dass es sich dem Projekt annehmen konnte. Der wesentliche Grund für diesen verspäteten Start ist der allseits beklagte Fachkräftemangel kombiniert damit, dass unser Team ganz spezielle Skills abdecken soll.

Wie findest Du geeignete Mitarbeiter*innen, die nach Nürtingen kommen?

Leider war das nicht so einfach, daher haben wir im Projekt neun Monate Verzögerung. Generell habe ich unterschiedliche Kanäle zur Bewerbung genutzt, eine bunte Mischung aus Sozialen Netzwerken, persönlichem Netzwerk, Initiativbewerbungen und aktiver Suche. Die Vision hat die Menschen angesprochen und neugierig gemacht – wir haben jetzt ein tolles Team zusammen!

Wenn Du einen Wunsch in Hinblick auf Dein Unternehmen
frei hättest – was würdest Du Dir wünschen?

Das ist einfach – mehr Zeit.

Was bedeutet für Dein Business “Nachhaltigkeit”?

Neben den ökologischen Aspekten ist es vor allem die gesellschaftliche Nachhaltigkeit, die mich bewegt. Aus meiner Sicht muss man die Folgen des eigenen Handelns bedenken. Meine persönliche Leitplanke ist es, dass es den Menschen durch unsere Erfindungen und Entwicklungen besser gehen soll und nicht schlechter.

Mit welcher Person würdest Du Dich gerne über Dein Projekt austauschen?

Auf der technischen Ebene würde ich mich gerne mit Dr. Julien Vitay (TU Chemnitz) zu Spiking Neural Networks austauschen.

Auf der unternehmerischen Seite ist Jos de Blok, Geschäftsführer von Buurtzorg (Ambulante Pflege in NL), für mich ein Vorbild. Ich wurde auf ihn aufmerksam beim Lesen des Buchs „Reinventing Organizations“ von Frederic Laloux. Im Buch wird beschrieben, wie unternehmerische Strukturen nicht als Hierarchie gesehen werden sollten, sondern das gemeinsame Arbeiten an wichtigen Themen für die Gesellschaft im Vordergrund steht. Dabei setzt der Autor auf gegenseitige Unterstützung und verteilte Intelligenz.

Was bedeutet für Dein Business “Regionalität”?

Für mich ist die Regionalität verbunden mit dem Gedanken der Dezentralität. Generell geht es darum, Ideen an verschiedenen Orten entstehen zu lassen, aber mit der Region verbunden zu sein. Das heißt, dass in verschiedenen Orten, verschiedene Ideen und Unternehmen entstehen und gedeihen können, dadurch verschiedenste Ansätze in Wettbewerb miteinander treten und somit sich höhere Chancen für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Gesellschaft ergeben.

Wir haben unsere Büroräume im Greiner Areal in Nürtingen. Ein Teil des Gebäudes stammt aus den 1950er/1960er Jahren, ein anderer Teil – ein Klinkerbau – entstand wohl schon Ende des 19. Jahrhunderts. Beide Zeiträume waren gekennzeichnet von Aufbruchstimmung und vitalem Unternehmertum. Das Greiner-Areal strahlt dies in hohem Maße aus, wirkt auf uns inspirierend und hilft uns unsere herausfordernden Aufgaben mit viel Zuversicht anzupacken.

Was sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die Dich als Unternehmer auszeichnen?

Visionen haben und formulieren können, offen und neugierig sein und im Sinne der Menschen im Unternehmen ökonomisch denken.

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