ScoreGO baut das digitale Zuhause für Sportfans – und startet im Tennis. Die App verbindet Live-Ergebnisse mit interaktiven Communities, in denen Fans miteinander und mit Spielern, Turnieren und Verbänden in Kontakt kommen. Juliane Reuter ist Mitgründerin und CEO des Startups.
Juliane, ihr habt ScoreGO ursprünglich als Studentenprojekt gestartet. Was würdest du Gründer*innen raten, die sich unsicher sind, ob aus ihrer Idee ein Unternehmen werden kann?
Nicht zu lange auf den perfekten Plan warten, sondern ins Machen kommen. Bei uns war ScoreGO zunächst ein Nebenprojekt: Mein Mitgründer Julien vermisste als Tennisfan eine gute App für Tennisergebnisse. Daraus ist Schritt für Schritt eine Geschäftsidee entstanden. Ich habe mich um UI und UX gekümmert, Julien um die technische Umsetzung. Nach etwa einem dreiviertel Jahr sind wir live gegangen.
Dabei haben wir gemerkt, dass sich viele Fragen erst beantworten lassen, wenn ein Produkt tatsächlich auf Nutzer*innen trifft. Für uns war es deshalb wichtig, früh zu testen und weiterzuentwickeln, statt monatelang im Vorfeld alles theoretisch durchzuplanen.
Wie wichtig war euer Netzwerk für den Aufbau von ScoreGO – und was können andere Startups daraus lernen?
Unser Netzwerk war entscheidend. Ohne die richtigen Kontakte gäbe es ScoreGO in dieser Form heute wahrscheinlich nicht.
Über den CyberLab Accelerator haben wir beispielsweise unseren ersten Investor gefunden und den Weg in das Start-up BW Pre-Seed Programm geschafft. Danach hat sich vieles über persönliche Empfehlungen entwickelt: Eine Person hat uns der nächsten vorgestellt, aus einer Veranstaltung entstand eine Partnerschaft und daraus wiederum eine neue Verbindung.
Mein Learning daraus ist: Netzwerkaufbau sollte für Startups kein Nebenthema sein. Man sollte aktiv auf Menschen zugehen, Veranstaltungen nutzen und offen darüber sprechen, woran man arbeitet. Man weiß nie, welcher Kontakt die nächste Tür öffnet.
ScoreGO entwickelt seine gesamte Software-Architektur intern. Warum ist es euch wichtig, Technologie und Produktentwicklung selbst in der Hand zu behalten?
Für uns bedeutet das vor allem Geschwindigkeit und Flexibilität. Wir sind ein kleines Team und müssen schnell auf neue Anforderungen reagieren können. Wir können Nutzerfeedback direkt in die Produktentwicklung einbringen: Julien und ich besprechen, welche Anforderungen wichtig sind, und können neue Funktionen schnell umsetzen und testen.
Gerade in der frühen Phase eines Startups ist diese Nähe zwischen Produkt, Nutzer*innen und Entwicklung unglaublich wertvoll. Man kann Entscheidungen schnell treffen, Dinge ausprobieren und direkt aus dem Feedback lernen.
Natürlich muss jedes Startup für sich entscheiden, was intern bleiben sollte und wo externe Unterstützung sinnvoll ist. Für uns war es aber wichtig, die technologische Basis selbst aufzubauen und unser Produkt dadurch jederzeit weiterentwickeln zu können.
Was ist aus deiner Sicht die wichtigste Voraussetzung dafür, dass aus einer guten Idee tatsächlich ein erfolgreiches Startup wird?
Die richtige Idee allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob sie ein echtes Problem löst und ob man bereit ist, aus dem Feedback der Nutzer*innen zu lernen.
Bei ScoreGO entstand aus einem persönlichen Problem eine erste Lösung, die wir durch Gespräche, Feedback und Partnerschaften immer weiterentwickelt haben. Dafür braucht es Ausdauer, ein Team, das sich ergänzt, und Menschen, die den Weg unterstützen.
Deshalb würde ich Gründer*innen empfehlen, früh mit potenziellen Nutzer*innen zu sprechen und genau hinzuhören: Was brauchen sie wirklich? Gleichzeitig lohnt es sich, Menschen kennenzulernen, die mit ihrer Erfahrung oder als Partner helfen können, die Idee voranzubringen.
Am Ende ist Startup-Aufbau für mich nicht nur Produktentwicklung, sondern auch Beziehungsarbeit.

