INTERVIEW MIT LEA ESCHER VON REGISOL SOLARTECHNIK

Interview mit Lea Escher von REGIOSOL Solartechnik

Ich habe Maschinenbau und Kommunikationswissenschaften studiert und zunächst einige Jahre im Beruf gearbeitet, jedoch nie die Stelle gefunden, die wirklich alles mitgebracht hat, was mir wichtig war. Gleichzeitig beschlossen meine Eltern, die REGIOSOL gegründet haben, in Rente zu gehen. Das war für mich der Impuls, den Familienbetrieb zu übernehmen. Dafür habe ich zusätzlich zu meinem Studium eine Ausbildung in Elektrotechnik absolviert und direkt im Anschluss den Meister gemacht. Seit dem 1. Januar 2024 leite ich nun das Unternehmen – eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue.

Nein, meine Eltern waren der Meinung: Entweder es ergibt sich, oder das Geschäft wird geschlossen. Eine aktive Suche nach einer externen Nachfolge stand nie im Raum, und es gab auch keinen Druck auf mich oder meine Geschwister, den Betrieb weiterzuführen.

Ganz ausschließen konnte ich es nie. Unsere Firma gibt es aber auch erst seit 2008, also war ich schon älter, als ich das unternehmerische Dasein meiner Eltern miterlebt habe und mit dem Thema in Berührung kam. Aber klar: Man bekommt viel mit. Die positiven Seiten wie die Freiheit, aber auch die Herausforderungen, die so ein Betrieb mit sich bringt. Technik hat mich ohnehin schon immer interessiert, daher lag die Richtung nahe und meine Entscheidung fiel schlussendlich auf das Fach Maschinenbau. Für REGIOSOL habe ich dann ja aber noch die Ausbildung und den Meister abgeschlossen.

Mein Fokus lag zunächst auf der Digitalisierung. Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um alle Prozesse – von Buchhaltung über Datenschutz bis Kommunikation – digital aufzustellen. Das war aufwendig, aber notwendig, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen und das möchte ich auch in Zukunft ausbauen und fokussieren.

Einiges konnte ich im Meister mitnehmen. Ich musste mir aber definitiv vieles selbst beibringen. Unterstützung durch offizielle Stellen wie Handwerkskammer oder Stadt war leider kaum vorhanden. Ich habe unzählige Buchhaltungsprogramme getestet, viel recherchiert und mir vieles autodidaktisch angeeignet. Für IT und Netzwerksicherheit habe ich externe Unterstützung gesucht. Das lief dann über private Kontakte. Also ein gutes Netzwerk ist da schon essenziell.

Mehr Sichtbarkeit und klare Ansprechpersonen. Wenn ich online nach „Nachfolge“ oder „Übernahme“ suche, sollten direkt die relevanten Informationen auftauchen. Es gibt zwar Anlaufstellen, aber oft helfen die dann bei konkreten Nachfragen oder Themen, die man hat, nicht weiter. Bei Start-ups gibt es so viel Unterstützung, aber bei Handwerksnachfolgen wird man oft allein gelassen. Dabei sind Handwerksbetriebe mindestens genauso wichtig für die Energiewende. Da würde ich mir wünschen, dass das auch so gesehen und dementsprechend unterstützt wird.

Ich bin hier aufgewachsen und ich fühle mich der Region verbunden. Besonders gefällt mir die Vielfalt – vom bodenständigen Handwerk bis hin zu großen Unternehmen. Das macht die Region spannend und attraktiv und ich denke, dass wir alle Ressourcen haben, wir müssen sie nutzen.

Sehr hilfreich finde ich den Frauenstammtisch der Handwerkskammer in der Region. Dort treffe ich viele andere Unternehmerinnen, mit denen man sich offen austauschen kann. Außerdem habe ich über lokale Veranstaltungen wie das Unternehmensfrühstück der Stadt gute Kontakte geknüpft.

Ich möchte offen bleiben für neue Technologien und stärker auf Kooperationen setzen. Alleine kann man nicht alles abdecken. Zusammenarbeit ist entscheidend. So können wir gemeinsam mit anderen Gewerken Projekte umsetzen und voneinander profitieren.

Ich nutze Fachzeitschriften und Newsletter, auf die ich vertraue und gehe auf branchenspezifische Messen. Wichtig ist für mich, Informationen schnell zu filtern, weil die Zeit im Alltag knapp ist. Auch Hersteller liefern mittlerweile nicht nur Produkte, sondern auch wertvolle Inhalte rund um die ganze Energiebranche, das ist sehr hilfreich.